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Bairische Buechspraach
Prójektautor: Hell Sepp
Jór vô da Vaéffmtlichung: 1998
Sprecher: niemends (Es wird grad gschribn)
Bsunderhaiten: Ayn Daachspraach für allsamt Bairn mit mundartfremde Zeitwortbeugungen ("Präteritum", "Futur I", "Konjunktiv I" - haissnd in dyr BB andert) und aynn Hauffen Neubilddungen
Sproochcodes:
ISO 639-1: -
ISO 639-2: art (iedwöde konstruirte Spraachn)
SIL: -

De Bairische Buechspraach (older kurz Buechspraach) ist dö Spraach, in derer wo d Sturmibibl gschribn ist. Is ist ayn konstruirte Spraach, und herkemmen tuet s von n Hell Sepp von Troosburg. De Buechspraach sollt ayn gmainsame Schriftspraach für alle Bairn sein, dö wo önn Aufbau und d Struktur von n gantzn Bairischn enthaltt und dö wo aau alle Bairn in ienerner Mueterspraach lösn, also ausspröchen, künnen sollnd. Dyr Konstruktionsplan von dyr Buechspraach beruet eender auf ayner Historisierung als wie auf ayner Etymologisierung, und dyr Grundstain von alln ist d Überdachung.

Schreibung Bearbeiten

Grundlaag Bearbeiten

De Grundlaag von dyr Schreibweis von dyr Bairischn Buechspraach ist de ethymologische Schreibung von n Schmeller seinn Bairischn Wörterbuech [BW]. De sel Schreibung wird eyn [BGrSch] (S. 11ff) in n Gnaun ausdeutscht. Si laauft drauf aushin, däß non von n Mittlhoohdeutschen her â von a, æ von ä, ê von e, ô von o, œ von ö, ai oder êi von ei, âu von au, êu von eu, ue von u, üe von ü unterschidn werdnd (de Dächln ober de Buechstabn steend für de durtmaalignen Langselbnlautt).

In dyr Bairischn Buechspraach werdnd d ietz de Verbündd æ und œ auftrennt in ae und oe; de Dächln werdnd nit gschribn, sundern für dös werdnd d Selbstlautbuechstabn verdoplt, also aa, ee, oo für â, ê, ô. De mittlhoohdeutschn Langselbstlautt î und û seind in dönn Lautstand schoon Zwilautt, gschribn ei und au. De Grapheme ie, ue und üe stengend in dyr Bairischn Buechspraach für de altn Zwilautt , uo und üe, mitterbairisch ia, ua und ia, norderbairisch ej, ou und ej.

De bairische Buechspraach haat also de ainfachn Selbstlaut-Grapheme a, ä, e, i, o, ö, u, ü, y und de zammengsötztn aa, aau, ae, ai, äi, au, äu, ee, ei, eu, ie, oe, oo, ue, üe.

Weiters Bearbeiten

Drüber hinaus zaigt de Bairische Buechspraach aau rein lauttliche (older phonetische) Merkmailn. So steend zun n Beispil ä und ö aau tiemdd entgögn dyr Ethymologie für hells a und offens e (däß, Össn, ...). Gnaun yso verhaltt si syr mit n y wo ainfach für n bairischen "a-hältigen Schwa-Lautter" steet.

De Buechspraach kimmt also mit n Zeichnvorrat vom Lutterischn d.h. aane diakritische Zeichn aus, und gnau wie s Lutterische geet s afer aft bösser mit n langn s zu n Schreibn.

Aau verglaichen kan myn s mit n Gmainen Deudsch von n 14. bis in s 16. Jaarhundert, also in dyr spaetmittlhoohdeutschn und dyr früehneuhoohdeutschn Zeit. Dös ist schoon in n 15. Jaarhundert ayn recht ainheitliche Schreibspraach wordn, dö wo von Augsburg bis auf Wienn, von Nürnberg bis auf Sprugg, also in n bairisch-oosteroberdeudsch praecktn Gebiet, goltn haat, und in n mitterdeutschn Raum ausgstraalt haat [dbD 41 - 48].


Lauttung (Lösartn) Bearbeiten

Öbbs Bsunders ist, däß myn bei de mäistn Worter de gwissn Ausspraachn von de meerern bairischn Gäu ganz ainfach von dyr Buechspraach ablaittn kan. Umdraeter geet s freilich nity; daa mueß myn schoon aau d Wortherkumft kennen. Freilich kan nie allss ains zo ains pässn.

Grundsaz Bearbeiten

De Buechspraach verwendd wo s geet, de ölteste gmainsame Wortform aus derer wo myn aft de verschidnen Lauttungen ablaittn kan. Beispilsweis:

ain = 'alts ei' + n --> oa + n --> 'Alts ei' kan in n Bairischn zun n Beispil zun oa werdn, kimmt danach ayn nunsl-n ( = der Nasal n) wird in vil Mundartn der Selbstlautter older wie daa dyr Zwilautter gnunslt. Je nach Mundart seind vil anderne Deuttungen müglich.

andraen = a + n + dræn --> å + n + drán --> õdráán

'A' wird bairisch verdumft, 'n' tuet nunsln und is mhd. 'æ' werd bairisch gwonerweis ayn 'hells a'. Naach dyr selbn Schreibung kan myr Sunderbairisch gnau yso ondráán sagn.

vil --> fui, fej, fil So wird is ainzlne Wort buechspraachlich aindeuttig gschribn, afer auf alle müglichnen Artnen ausgsprochn. Tiemdd seind für bsunderne Wörter ainfach Schreibungen föstglögt, wie: tiemdd ( = manchmal), nit ( = nicht), nän ( = nein). Däß myr tiemdd also wie adiam lösn kan ist durchaus yso vorgseghn. Ganz im Gegntail ist de groesstmüglichne Freiheit bei dyr Ausspraach beabsichtigt: z.B.: sid für sunder, für daadl, gängan für geen older hánd für seind seind kain Freitniss ( = Tabu). Andrerseits seind alle müglichnen Schreibungen gnau föstglögt.

eyn Ainzlnen Bearbeiten

In dyr druntern Tabeln seind de ainzlnen Grapheme angöbn, ayn par müglichne heuntignen Ausspraachn in n Bairischn in dyr WP-Umschrift (Wikipedia-Boarischn Umschrift), Beispilwörter aus dyr Sturmibibl, und es ist spraachwissnschaftlich erklaert, wie alles zammenhöngt. Also: gschribn -> [glösn] -> Wortbeispil -> erklaert:

Buechspraach Ausspraach Beispilwörter spraachwissnschaftlich erklaert
a [å]~[ò] (kurz)
[òò] (lang)
dös Wasser
dyr eerste Tag
mhd. a (altkurz), bairisch verdunklt, dös ist verdumpft und ghobn [dbD 75/76] [KBS 23 - 25]. De mittlhoohdeutschn Kurzselbstlautt überhaaupt seind ainswöder kurz blibn, oder dent wordn (bei meersilbige Wörter in ayner offnen Toonsilbn und bairisch aau bei ainsilbige Wörter mit hörte Mitlautt hint). De kurz blibnen, de glöngtn und de altn langen habnd si lautmaessig tailweis und gögetweis ausaynand entwicklt [dbD 45 119/120] [KSB 22/23 32/33].
aa [òò], NB: [òu] du haast mhd. ā (altlang), bairisch stark verdunklt, dös ist verdumpft und ghobn, norderbairisch aau verzwilautt [dbD 75/76] [KBS 23 - 25]
ee MB: [èè], SB: [èă], NB: [èj] gee hinterhin mhd. (altlang) [dbD 54, 60 - 71] [KBS 46/47, 70/71]
oo WMB: [òu], OMB: [òò], SB: [òă], NB: [òu] Koot, root mhd. kōt, rōt (altlang), bairisch zmeerst verzwilautt [dbD 54, 60 - 71] [KBS 44/45]
oe [èè], SB: [èă], NB: [èj] Guet und Boes, oed und laer mhd. bœs(e), œd(e) (altlang), bairisch entrunddt, dösswögn wird es alte œ wie es alte ē ausgsprochen [dbD 54/55, 60 - 71] [KBS 46 - 49]
ae [àà] mit laere Höndd mhd. lǣr (altlang), Sekundärumlaut (aus ahd. ā + i, ī, j), bairisch überhell [dbD 44, 54, 75 - 78] [KBS 26/27, 42/43]
ä [à] däß dös giltt mhd. ä (altkurz), Weiters schau bei mhd. ǣ
ü [i] fümf Maass Bier mhd. vünf, bairisch entrunddt, dösswögn wird es ü wie es i ausgsprochen [dbD 54/55, 60 - 71] [KBS 37]
ö [e]
[ä]~[e]
dös Buech
öbbs zo n Össn
gschlossne bairische e seind früehers überhaaups gern als ö gschribn wordn [BD dös, ös], weil es bairische zo e entrunddte ö (mhd. ö, ahd. o + i) und dyr Primärumlaut e (mhd. e, german. a + i) ausspröchmaessig dyr selbe Laut ist [KBS 36 - 39]. Ayn dritts kummt von n offnen germannischn ë, dös wo bairisch ie naach Rödart und Löng offener oder gschlossner ausgsprochen wird [KBS 26 - 31].
ie [iă], NB: [ej] s Lied mhd. liët, bairisch als ayn Diphtong dyrhaltn [dbD 44, 54, 60 - 71] [KBS 62 - 64]
ue [uă], NB: [ou] Buech mhd. buoch, bairisch als ayn Diphtong dyrhaltn [dbD 44, 54, 60 - 71] [KBS 62 - 64]
üe [ia], NB: [ej] sein Hüetter mhd. üe, dyr Umlaut zo uo, bairisch als ayn Diphtong dyrhaltn und entrunddt [dbD 44, 54/55, 60 - 71] [KBS 62 - 64]
ai [oă], OMB: [aa], NB: [oă], [oi] +ain Stain (+ = Betoonung) mhd. ein stein, bairisch ei --> ai --> oi --> oa. In dyr oberdeutschn Schrift seind ai und ei (schau bei mhd. ī) aau in dyr früehneuhoohdeutschn Zeit überhaaups nun unterschidn wordn [dbD 47/48 80/81] [KBS 56 - 59]
äi [eă] zween Stäin bairischer Umlaut ea zo oa [dbD 118]
ei [ai] Leib, Weib mhd. līb, wīb, bairisch verzwilautt, in s Schriftdeudsche übernummen, dösswögn "neuhochdeutsche Diphthongirung" ghaissn [dbD 43/44 60 - 71] [KBS 50/51]
au [au] Bauch mhd. būch, bairisch verzwilautt, in s Schriftdeudsche übernummen, dösswögn neuhochdeutsche Diphthongirung ghaissn [dbD 43/44 60 - 71] [KBS 50/51]
aau [àà], Duenyraum: [au] 'I aau' sagt dyr Ösl mhd. ouch, bairisch zmeerst Monophtongirt [dbD 77] [KBS 60/61]
eu [ai], SB, tailweis MB: [oi]~[ui]~[éu] leuchtn mhd. liuchten (altlangs ü), bairisch diphthongirt, in s Schriftdeudsche übernummen, dösswögn neuhoohdeutsche Diphthongirung ghaissn, bairisch groessertails spaeter entrunddt [dbD 43/44, 54/55, 60 - 71] [KBS 52 - 55]
[oi]~[ui]~[éu]
[ia], NB: [ej]
über dyr Teuffn teuff, tieff [BW I/590] ist ayn Sunderfall, weil dös Wort zween Wög gangen ist: a) teuff (ahd. mit iu, boarisch toif, tuif), b) tieff (ahd. mit io, mhd. naach , bairisch tiaf) wie bei n [dbD 60 - 71] [KBS 62 - 64]
äu [ai] Gäu mhd. göü, geu, entrunddt zo Gai [dbD 54/55] [KBS 37]
y [ă] yso ayn Krättler schwachtoonige Nöbnsilbnen werdnd abgschwöcht in dyr mittlhoohdeutschn Zeit [dbD 32]
n nunslig ain Stain, zween Stäin naach de meerern Selbstlautter gnunslt °nasaliert° [dbD 44] [KBS 59] [BGr 18/19]
h [ch] daa geet s fein gaeh aufhin mhd. gæh(e), gāch, alts h nun stark ausgsprochen [BGr 22]
l MB: [i], SB, NB: [l]   mitterbairisch naach de meerern Selbstlautter verselbnlautt, norderbairisch und sunderbairisch nit verselbnlautt [dbD 55/56, 60 - 71] [KBS 65]

Mittlautt Bearbeiten

Es geit wie in n Schriftdeudschn folgende Mittlautt ainfach/waich und doplt/hört als entspröchnde Schreibweis zo n Anzaign ob der vorige Selbstlautt lang oder kurz ist: p/pp, t/tt, k/ck. Aft geits aau non folgende nit-schriftdeudschn "Doplungenn": b/bb (grob/öbbs), d/dd (Gwand/eingwänddn), g/gg (+ain Strig/zween Strigg), chs/x (Hächs/Fux), h/ch (gaeh/starch), sh/sch (+ain Tish/zween Tisch). D Grapheme gg, x, ch, ck künnen also yn Guttural-Fortis in n dö sunderbairischn Mundartn anzaign. Doplte "nn" zaing an däß s "n" gsprochn werd. Ainfache "n" werdn in gwisse Mundartn gnunslt.

Spraachbau und Wortschaz Bearbeiten

D Artikl Bearbeiten

De bestimmtn Artikl (verainfacht) Bearbeiten

volltoonig schwachtoonig
Ainzal
m. f. n. m. f. n.
Nennfallst der dös dyr d s
Göbfallst yn dönn yn derer yn dönn yn n yn dyr yn n
Klagfallst dönn dös önn d s
Meerzal
Nennfallst die d
Göbfallst (yn) dene yn de
Klagfallst die d

De unbestimmtn Artikl (verainfacht) Bearbeiten

volltoonig schwachtoonig
m. f. n. m. f. n.
Nennfallst ain ayn
Göbfallst (yn) ainn ainer (yn) ainn yn aynn ayner yn aynn
Klagfallst ainn ain ain aynn ayn ayn
Doplzal
m. f. n.
N., G., Kl. zween zwo zwai

Vürwörter Bearbeiten

persönlichne Vürwörter Bearbeiten

volltoonig
Ainzal Meerzal
1. P 2. P 3. P. 1. P 2. P 3. P
m. f. n.
Nennfallst i du er is is mir ös
Kunnfallst °Genitiv° meiner deiner seiner irer seiner ünser enker iener
Göbfallst mir dir iem ir iem üns enk ien
Klagfallst mi di iem is is üns enk
schwachtoonig (andernfalls)
Nennfallst - - yr s s myr - s
Göbfallst myr dyr (ayn s) n - (ayn s) n - - -
Klagfallst - - n - n - - (ayn) s

Possisivpronomen Bearbeiten

Schriftdeudsch Bairisch Wiki-Lautschrift buechspraachlich
meinmeimein
deindeidein
sein, ihr, seinsei, iără/iă, seisein, irer, sein
unserunsă
Sid-MB+SB: insă
Nord-NB: unnă
ünser
euerenkă/aiă/aichă enker
ihreănă/iăiener

Indefinitpronomen und unbestimmte Zalwörter Bearbeiten

Schriftdeudsch Bairisch (BAR-Wiki-Umschrift) buechspraachlich + Beispill
alleòllealle
allesòllas/òissalls
die ganzen/sämtlichede gånzn/de sämtlichndö gantzn
jedera jeder, a jede, a jedsayn ieder Man, ayn iede Frau, a ieds Kind
viele/eine Mengevül/a(n) Hàffavil/ayn Hauffen Mannen/Mänder, Frauenn, Kinder
vielesvül/vui/vüüvil
die meistende mèjerern/mehrern/meistnde Meerern/Maistn Mannen/Mänder, Frauenn, Kinder
manche/mehreremånche
etlicheetla/etle/etlicheayn(n) Öttlych Mannen/Mänder, Frauenn, Kinder
ein paara bòr ayn Par Mannen/Mänder, Frauenn, Kinder
wenigweng/wenich/wenik/weni
ein wenig/ein bisschen/etwasa weng(al)/a biss(a)layn(n) Weeng/Bissleynn ayn Wasser
beideòlle zwoabaide / all Zween/Zwo/Zwai Mänder
etwasebb(a)s/wos öbbs
jemandebber/wer öbber
keinerkoaner, koane, koans kainer, kaine, kains
niemandneamads/neamd/neamds/nemads niemdd
nichtsnix nix

Zeitwort-Spraachbau Bearbeiten

ainfache Vergangenheit Bearbeiten

In dyr Bairischn Buechspraach ist de ainfache Vergangenheit (Präteritum, ungnäuner "Imperfekt") als Erzölvergangenheit widerhergstöllt wordn. Ys Bairische haat s Präteritum schoon vor 500 Jaar verloorn, netty die dreu Hilffszeitwörter wollt, sollt, war nit. Seit derer Zeit werd für dös de zammgsötzte Vergangenheit (Perfekt) mit habn und sein verwenddt [dbD 98 - 101] [BGR 53 - 55]. In n Schriftdeudschn ist ys Präteritum afer non löbndig; drum seind aau die altn bairischn Verganheitsformenn nit schwaer zo n Versteen.

Is gibt "starche" und "schwache" Zeitwörter. Bei de schwachn ist s ainfach: Daa kimmt ayn "g-" vor de Gögnwartsform hin ("i gmach" = "ich machte"), Geet dös nit, ist s halt ayn "ga-" (gå-, schwachtoonig): "i gakenn" usw. De starchn werdnd ainfach aus dyr altn Spraach übernummen und seind anleich, aber bei Weitn nit allweil gleich, wie in n Schriftdeudschn: "i kimm/kaam/bin kemmen/kaem (käme), "i wash/wuesh/haan gwaschn/wüesch". In n Grund seind s die Formenn wie in n "Schmeller"[BW].

Ayn Beispil aus dyr Sturmi-Bibl (De Bschaffung 1, 1-2) is "Eyn n Anfang bschuef dyr Herrgot önn Himml und d Erdn. Und d Erdn war oed und laer, finster war s über dyr Teuffn, und yn n Herrgot sein Geist gschwöbt über n Wasser.": bschuef (heint: hot/hout daschåffa, lutterisch: erschuf) ist ayn alte starche Form; gschwöbt (heint: is gschwebt, lutterisch: schwebte) ist ayn alte reglmaessige Form; war (heint: wor/wår, lutterisch: war) aau ayn unreglmaessige Form, dö wo heint nun nöben is gwen/gwest auftaucht.

Ayn BeispillistnBearbeiten

Daader aynmaal ayn ainfacher Überblik über göngige Formenn naach n Spraachgebrauch in dyr Sturmibibl. Dö Listn ist wöder umfasset, non sollt s als eeherne Norm betrachtt werdn. Was "starch" und "schwach" ist, entscheidt lösstlich s Mittlwort in n Bairischn. D Reihennfolg ist Nennform - Gögnwart; Vergangenheit; Mittlwort; Bedingungsform.

I:

  • machen - i mach, du machst, er macht, mir/sö machend, ös machtß; i gmach, mir/sö gmachend; gmacht; i machet, mir/sö machetnd, ös machetß
  • denken - i denk; i gadenk; denkt; denket
  • freun - i freu; i gafreu; gfreut; freuet
Vor aynn Schlaglautter, aber aau bei Unklaarheitn, öbbenn bei "freun", weil daa aau d Nennform schoon "gfreun" lauttn kan, springt bei de schwachn Zeitwörter dös unbetoonte "ga-" (gå-) ein.

II:

  • schreibn - i schreib; i schrib; gschribn; i schrib (nootfalls: schreibet)
  • scheuhen - i scheuh; i schih; gschihen; i schih (bzw.: scheuhet)
  • schneibn - es scheibt; es schnib; gschnibn; es schnib (bzw.: schneibet)
De häuffigste Gruppn; "schneibn" kan starch sein, mueß aber nit. "scheuhen" zaigt, däß si daa tiemdd öbbs aus "fremde" Gruppnen eingschlichen haat (schoon bei n Schmeller dyrsait).

III:

  • singen - i sing; i sang; gsungen; i säng
  • brinnen - s Haus brinnt; s Haus brann; brunnen; s Haus bränn
  • bringen - i bring; i brang; brungen; i bräng
  • winken - i wink; i wank; gwunken; i wänk
Wider: Nit s Lutterische ist dyr Maaßstab, was starch ist!

IV:

  • biegn - i bieg; i bog; bogn; i bug
  • höbn - i höb; i hob; ghobn; i hub
  • liegn - i lieg; i log; glogn; i lug
  • klieb - i klieb; i klob; klobn; i klub
Wo s Lutterische in dyr Bedingungsform ayn Ö haat, ist s in n Bairischn ayn U. Vergleich aau d Nämst "dyr Bug", "dyr Hub", "d Lug" und "dyr Klub" (= "Spalt", nit öbbenn "Verain"; dyrfür "de Zöch" und so weiter).

V:

  • geltn - i gilt; i galt; goltn; i gält
  • sterbn - i stirb; i starb; gstorbn; i sturb
In dyr Bedingungsform steet Ä older U, was halt aindeuttiger ist.

VI:

  • grabn - i grab; i grueb; grabn; i grüeb
  • frössn - i friß, mir frössnd; i fraaß, mir fraassnd; gfrössn; i fraess
  • haissn - i haiß, mir haissnd; i hieß, mir hiessnd; ghaissn; i hiess
  • schlaaffen - i schlaaf, mir schlaaffend; i schlief, mir schlieffend; gschlaaffen; i schlieff
  • spröchen - i sprich, mir spröchend; i spraach, mir spraachend; gsprochen; i spraech
Acht auf d Ruggnaam von dyr Ainsilberdenung sowie d Umlauttung in dyr Bedingungsform. D Nämst entspröchend tailweis yn dyr Vergangenheit: "d Spraach", "dyr Fraaß".

VII - Was allss yso aus n Ramen fallt:

  • sein - i bin, du bist, er ist, mir/sö seind, ös seitß; i war; gwösn; i wär
  • habn - i haan, du haast, er haat, mir/sö habnd, ös habtß; i hiet; ghaat/ghabt; i haet
  • tuen - i tue, mir/sö tuend/tüend, ös tuetß/tüetß; i taat; taan; i taet
  • geen - i gee, mir geend/gengend; i gieng; gangen; i gäng
  • steen - i stee, mir steend/stengend; i stuendd/standd; gstanddn; i ständd
  • künnen - i kan, mir künnend; i kunnt; künnen; i kännt
  • müessn - i mueß, mir müessnd; i gmueß, mir gmüessnd; müessn; i müesset
  • derffen - i derf, mir derffend; i darf, mir darffend; derffen; i därff
  • wissn - i waiß, mir wissnd; i gwaiß, mir gwissnd; gwisst; i wisset
  • wolln - i will, mir wollnd; i gwill, mir gwollnd; wolln; (i wollet)
  • mögn - i mag, mir mögnd; i gmag, mir gmögnd; mögn; (i möget)
"mecht" haat si verselbstöndigt, drum obn de Klammerausdrück. D Mittlwörter seind grad +ain Müglichkeit - statt "künnen" kan öbbenn aau "gekünnt" und anleich steen; dös haat aber daader kainn Einfluß auf d Vergangenheitsform.

aigntliche Mög Bearbeiten

Als aigntliche Möglichkeitsform (Konjunktiv I) haat de Bairische Buechspraach d Möglichkeitsform mit dyr Endung -eb aus n Zimbrischn. Dyr Konjunktiv I wird in n Bairischn ausser in ayn par föste Wendungen niemer verwenddt; myn nimmt für dös önn Indikativ her [dbD 102/103] [BGr 69]. In n Schriftdeudschn git s önn Konjunktiv I aber nun. Was gern "Konjunktiv" gnennt werd (aigntlich "Konjunktiv II"), ist von dyr Verwendung her in dyr Regl de Bedingungsform. Von derer aus kan myn oft auf de richtige Vergangenheitsform zruggschliessn: "i kaem" > "i kaam", "i schlüeg" > i schlueg". D Form auf "-et" empfilht de Buechspraach (abgseghn von de schwachn Zeitwörter) grad in n Nootfall, d Umschreibung mit "taet" grad in begründdte Ausnaamenn: "Künnen taet i schoon, aber mögn tue i nit."

Ayn Beispil aus dyr Sturmi-Bibl (De Bschaffung 2, 15) is "Dyr Trechtein naam also önn Menschn und gsötzt n eyn n Gartn Öttn einhin, dyrmit yr n baueb und hüetteb.": baueb, hüetteb (heint: dyrmit yr n baut und hüett, lutterisch: damit er ihn bebaue und hüte).

eerste Zuekumft Bearbeiten

Aau ayn eerste Zuekumft (Futur I) verwenddt de Bairische Buechspraach. Es Futur I kennt es Boarische zwaar nun; myn nimmt aber für dös gwonerweis es Präsens her [BGr 51/52]. In n Schriftdeudschn wird es Futur I nun öfters hergnummen. De Bairische Buechspraach haat ayn bsundere Zuekumftsform mit gaan + Nennform.

Ayn Beispil aus dyr Sturmi-Bibl (De Bschaffung 2, 17) is "aber von n Baaum der Wissnheit von Guet und Boes derffst nit össn; denn baldst dyrvon isst, gaast sterbn.": gaast sterbn (heint: werst/wirst sterm); oder (De Bschaffung 2, 17) "Dösswögn gaat dyr Man önn Vatern und d Mueter verlaassn und si an sein Weib binddn, und sö werdnd ain Leib.": gaat verlaassn (heint: werd/wird valåssn/valoun).

Wortschaz Bearbeiten

Dyr Wortschaz von dyr Bairischn Buechspraach haat meerer Quellnen: De überliferte Bairische Spraach, "gwone" deutsche Wörter, aau öbbenn mittlhoohdeutsche, Neubildungen und Verleehnungen. Dös haisst zo n Ainn, däß ayn ieds bairische Wort aau sein buechspraachliche Fassung haabn sollt und zo n Andern, däß öbbenn eyn n Bairischn vorhanddne Luckenn durch buechspraachliche Neubildungen gschlossn werdn sollnd. Kimmt yso wie daader obn öbbenn dös Wort "Präteritum" vür, naacherd nit, weil s bairisch-buechspraachlich wär, sundern daa ist s ainfach aus n Lutterischn zitiert.

Überliferte Wörter Bearbeiten

Schriftliche Belöge für de Bairische Spraach geit s grad gnueg (Schmeller [BW], Schatz [Sch], ÖWB [OeWB], usw.) und ainige Grundsätz für dös, wie de buechspraachliche Schreibung von de Wörter mit dyr Wortherkumft zammhöngt, seind drobn in da Lauttungstabln zammgfasst und eyn dönn untern Abschnit "Schreibung" bschribn.

Neubildungen und Verleehnungen Bearbeiten

Dyr oberste Grundsaz bei de Neubildungen ist, däß sö si harmonisch eyn s Bairische einfüegn müessnd. Dösswögn kemmend s eender von germannische, alt- older mittlhoohdeudsche Wurtznen hervür older sö seind netty lauttliche Anpässungen aane deudsche Entspröchungen. Ayn umfassende Listn mit Neubildungen gibts aa.

Wo zwickt s non Bearbeiten

Yn n Rowley Anthony zwickt zu n Beispil, däss ys eingangene Präteritum eyn de Buechspraach aufgnummen wordn ist. Er sagt "Was ausgstorbn ist, ist ausgstorbn" [Row]. Vil Leut zwickn aau dö Neubildungenn, als Erfindungenn von n ainer Ainzlperson. Öbbs anders ist non, däß myn von Haus aus ausgnummen von gwisse Wörter kain gäumaessige Bsunderheit nimmer eyn dyr Schreibung von dyr BB drinnen haat.

Als nit-phonetischs System ist d Buechspraach automatisch aau nit selbsterklaernd. Weiters geits wöder verbinddlichne Regln zur Ausspraach non überthaaupts aynn föste Ausspraach sundern is ist allss frei und unverbinddlich. Grad dö Schreibung und dö ist glei wider 100%ig verbinddlich. Und dös machts für bald aynn Ieds zeerst aynmaal unverstöndlich.

See Bearbeiten

  • Sturmibibl De Bibl eyn dö Bairische Buechspraach übersötzt (Einfüerung)
  • vaschwundena Impeafekt Ayn Bsunderheit von dyr Bairischn Buechspraach ist de ainfache Vergangenheit, dö wo s heintztags eyn kainer bairischn Mundart nimmer geit.

Quellnen und drüber Gschribns Bearbeiten

  • Hell Sepp: Kollmerstubet. Troosburg 1998.

Für de etymologischn, lauttlichnen und schriftlichnen Zammenhäng überhaaups:

  • [BGrSch] Schmeller, Johann Andreas :Die Mundarten Bayerns grammatisch dargestellt. Karl Thienemann, München 1821 [1].
  • [dbD] Ludwig Zehetner: Das bairische Dialektbuch, Verlag C.H.Beck, München, 1985, ISBN 3406305628
  • [BD] Ludwig Zehetner: Bairisches Deutsch. Lexikon der deutschen Sprache in Altbayern, Heinrich Hugendubel Verlag/edition vulpes, Kreuzlingen/München/Regensburg, 2005, ISBN 3980702871
  • [KBS] Manfred Renn, Werner König: Kleiner Bayerischer Sprachatlas, Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 2006, ISBN 3423033282
  • [BGr] Ludwig Merkle: Bairische Grammatik. Buch & Media, München 2004, ISBN 3865200788.
  • [BW] Johann Andreas Schmeller: Bayerisches Wörterbuch, 1827. 6. Auflage bei Oldenbourg Wissenschafts-Verlag, (Mai 2002), ISBN 3486526030. Wörterbuch bei der Bayerischen Landesbibliothek Online
  • Friedrich Kluge, bearb. v. Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache/Kluge, Walter de Gruyter, Berlin/New York, 2002, 24. Auflage, ISBN 3110174731
  • [Row] persönliche Mittailung, Prof. Anthony Rowley, Landshut 2009.
  • [Sch] Josef Schatz: Wörterbuch der Tiroler Mundarten, Universitätsverlag Wagner, Innsbruck, 1993, ISBN-10 3703002522
  • [OeWB] Victor Dollmayr: Wörterbuch der Bairischen Mundarten in Österreich, Böhlaus, Wien 1963, ISBN-10: 3700105509, 370010734X, 3700115024, 3700116802, 3700118201, 3700119313, 3700120001, 3700127391, 3700128810, 370012970X, 3700130589, 3700131488, 3700132654

Werker Bearbeiten

In n Internet Bearbeiten

Abkürtzungen Bearbeiten

Bezugnissn Bearbeiten

  1. Schmeller, Johann Andreas: Die Mundarten Bayerns grammatisch dargestellt.